GfR NRW e.V. :: Förderpreis

Der Forschungspreis wird alle 2 Jahre für herausragende Arbeiten mit Bezug zu rehabilitationswissenschaftliche Fragestellungen vergeben.

Dieses Jahr wurde mit dem Projekt „Berufliche Orientierung in der Medizinischen Neurorehabilitation“ – kurz BOMeN eine Thematik gewürdigt, die sich hochaktuell mit einem wichtigen Problem der Rehabilitationsforschung beschäftigt, nämlich der beruflichen Orientierung in der medizinischen Rehabilitation.

Die Bewältigung arbeitsrelevanter und sozialer Folgen und vor allem die Chance zu einer realistischen Einschätzung der eigenen Stärken und der erreichbaren Ziele ist im Rehabilitationsprozess für die Rehabilitanden besonders wichtig. Dies gilt sowohl für die bisherigen Tätigkeiten, als auch für alternative Möglichkeiten in der Berufswelt. Eine frühzeitige Auseinandersetzung der Rehabilitanden mit der Erkrankung und den daraus folgenden Einschränkungen ermöglicht eine entsprechende Kompetenzbildung.

Ebenso wichtig ist das enge Zusammenwirken der Fachrichtungen bei der Behandlung. Weg von eindimensionalen Rehabilitationsbedingungen sollen Psychologie, Ergotherapie und Sozialdienst eng miteinander verknüpft motorische, kognitive und motivationale bzw. emotionale Defizite thematisieren und behandeln.  Das bedeutet z.B. die Integration von psychoedukativen Elementen in das Funktionstraining und von funktionsbezogenen Komponenten in die Schulung.

Im Rahmen des Forschungsprojekts BOMeN wurde ein vierwöchiges Behandlungskonzept für leichter betroffene Schlaganfall- und Schädel-Hirn-Trauma-Patienten entwickelt. Kernelement ist eine intensivierte Patientenschulung, in der berufsalltagsrelevante Aspekte aufgegriffen werden.

Dazu gehören neben Themen wie Stressbewältigung und Motivation vor allem auch Wahrnehmungsexperimente, berufsnahe Aufgabenstellungen und die Vermittlung von Strategien zum Umgang mit auftretenden Schwierigkeiten. Um das Ganze realitätsnäher zu gestalten, werden die Sitzungen  als dreistündige Maßnahmen durchgeführt. Ziel ist es, durch das bewusste Erfahren von Belastungen die eigenen Defizite besser einschätzen zu können. Das Programm wurde anschließend im Rahmen eines randomisierten Kontrollgruppendesigns mit der bisherigen Standardintervention verglichen.

Die Gesellschaft für Rehabilitationswissenschaften NRW e.V. (GfR) hat auf dem diesjährigen Rehabilitationswissenschaftlichen Kolloquium der Deutschen Rentenversicherung in Mainz den mit 7.500€ dotierten Forschungspreis an Frau Dr. Menzel-Begemann von der Universität Bielefeld vergeben.

Die Ergebnisse zeigen eine eindeutige Tendenz: Sowohl bezogen auf  die Wiedereingliederungsrate und den Zeitraum bis zur Wiedereingliederung als auch auf die AU Zeiten konnte die BOMeN-Gruppe bessere Werte erzielen.

Frau Angelika Wegener von DRV-Westfalen hob in ihrer Laudatio das besondere Interesse der Leistungsträger an der Thematik der Förderung von beruflicher Motivation hervor. Frau Dr. Menzel-Begemann ist es gelungen, auf Basis umfangreicher theoretischer und empirischer Vorarbeiten, ein schlüssiges Konzept für die medizinisch-berufliche Rehabilitation von Schlaganfall- und Schädel-Hirn-Trauma Patienten zu entwickeln. Die zahlreichen Anfragen aus der ganzen Bundesrepublik unterstreichen die Aktualität der Arbeit zusätzlich.